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Die
Bergische Kaffeetafel

AM UFER DER WUPPER

Schlemmerei mit Waffeln und „Dröppelminna“ –heute so beliebt wie vor 300 Jahren

Wer Solingen besucht, darf nicht versäumen, wenigstens einmal eine „Bergische Kaffeetafel“ zu kosten. Am besten zusammen mit vielen lieben Mitmenschen, zum Beispiel der ganzen Familie, dann ist die Auswahl der Speisen, die auf dem Tisch stehen, entsprechend groß. Denn „bergisch kaffeetrinken“ ist keine Sache für ein paar Minuten, sondern erfordert eine gewisse Ausdauer – und einen hungrigen Magen. „Überliefert ist, dass das so genannte‚ Kaffeedrenken mit allem dröm und draan‘, wie man auf Platt sagt, schon vor rund dreihundert Jahren in der Art und Weise wie wir es auch heute noch praktizieren, bekannt war“, erzählt Petra Meis, Mit-Betreiberin der Gaststätte „Rüdenstein“ in Solingen.

Deftiges und Süßes

Tatsächlich ging dies einher mit dem Einzug des Bohnenkaffees im 18. Jahrhundert und auch der Erfindung von Zinnkannen, in denen der Kaffee warmgehalten werden konnte. „Man muss sich vorstellen, dass die Menschen nicht so oft zusammenkamen, sondern nur zu besonderen Anlässen, etwa, wenn es etwas zu feiern gab. Dann aber kamen alle von nah und fern und die Anreise, meist mit Pferd und Wagen, war beschwerlich, bergauf, bergab – wie so üblich im Bergischen Land. Wenn dann schließlich alle beieinandersaßen, packte jeder auf den Tisch, was er von zu Hause mitgebracht hatte, sowohl Deftiges als auch Süßes. Denn getafelt wurde einige Stunden lang und alle hatten großen Hunger“, so die Gastronomin und Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). In der idyllisch gelegenen Gaststätte „Rüdenstein“, die sie zusammen mit ihrer Tochter Katrin Lucassen und deren Mann Ulf managt, gehen an manchen Tagen schon mal 80 Gedecke der üppigen Mahlzeit über den Tresen. Ein Grund dafür, dass nachmittags zur fünfköpfgen Küchenmannschaft zwei Damen dazustoßen, die bis 18 Uhr allein fürs Kaffeekochen und Waffelnbacken zuständig sind. Was aber gehört nun dazu, zur Bergischen Kaffeetafel? Laut Petra Meis neben dem Kaffee aus der Dröppelmina wahlweise Tee oder Kakao und: „Semmel mit und ohne Rosinen, Schwarzbrot, Landbrot, Holländer Käse, Weißkäse und Aufschnitt, Butter, Marmelade, Apfelkraut, Reisbrei mit Zimt und Zucker sowie frische, bergische Waffeln, wahlweise mit heißen Kirschen und Sahne.“ Erweitert werden kann das Mahl durch die Beigabe von Rühreiern mit Speck und/oder geräuchertem Lachs mit frischen Reibekuchen. Diese Kartoffelpuffer werden im Bergischen auch gern „Pillekuoken“ oder „Riefkuoken“ genannt und sind äußerst beliebt.

Nachfrage steigt stetig

Seit fast 90 Jahren gibt es die Tradition nun schon im Rüdenstein und in letzter Zeit ist die Nachfrage noch gestiegen. Gern tischt Petra Meis ihren Gästen auch den weit über die Region bekannten „Burger Zwieback“ von Dieter Büscher auf (siehe dazu Tipp auf Seite 9). Und zum Espresso gibt es bei ihr stilecht „Burger Brezelkonfekt“. Auch die meisten anderen Lebensmittel kommen aus der Nähe, wie zum Beispiel die Kottenwurst von der Metzgerei Jacobs in Gräfrath. Eine Spezialität ist auch das „Nulbrot“ der „Bauer Landbäckerei“ in Hückeswagen-Winterhagen. Der feste Teig wird noch von Hand verarbeitet, ist von außen knusprig und innen weich und saftig.

Der „Minna“ ihre Haarnadel

Was im Einzelnen auf den Tisch kommt – da gibt es bei den Gastronomen in der Klingenstadt auch kleine Unterschiede. Einige bevorzugen den traditionellen Sandkuchen, andere offerieren zusätzlich Quark. „Eins darf aber auf keinen Fall fehlen“, meint Petra Meis, „eine Schüssel mit duftendem Milchreis – besonders beliebt auch bei Kindern.“ Ebenfalls gehört zur stilechten Kaffeetafel neben schönem Geschirr und einer feinen Tischdecke auch die legendäre „Dröppelminna“. Nein, es handelt sich dabei nicht um eine „Minna“ im eigentlichen Sinne. Dies ist nur ein Spitzname für die bauchige Zinnkanne, die auf dem Tisch nicht fehlen sollte. Der Ursprung der so typischen Kaffeekanne soll allerdings in Holland liegen. Dort war es zunächst üblich, dass die Kannen aus Porzellan gefertigt waren und aus dem Fernen Osten stammten. Später kamen die robusteren Kannen aus Zinn in Mode. Wohl aufgrund von regem Handel zwischen den Niederländern, die im Bergischen ihre Schneidwaren einkauften, gelangten die zinnernen Behältnisse auch nach Solingen. Zu ihrem in der Region so beliebten Namen „Dröppelminna“ kamen sie allerdings aufgrund der Tatsache, dass der kleine Kran, den man auf-und wieder zudrehen kann, nicht selten durch den nicht optimal gefilterten Kaffee verstopfte – und der Kaffee dann zu Tropfen begann. „Dröppeln“ sagt man dazu in Solinger Platt. Keine schöne Sache, wenn die ganze Gesellschaft durstig da sitzt und gern ein Schlückchen Kaffee hätte … Was tat die beherzte Hausfrau, deren Vorname oft Wilhelmine war, von Freunden auch gern „Minna“ gerufen, in einer solchen Situation? Sie, die Dame von Welt, zupfte geschickt eine ihrer Haarnadeln aus der Hochsteckfrisur, stocherte ein wenig damit im Ablauf und … wie von Wunderhand rann der frisch gebrühte Kaffee wieder ohne Probleme aus der Kanne. Geschafft … die Haarnadel verschwand wieder in der Haarpracht und weiter ging es mit dem leckeren Essen und Trinken … Wer danach zur Verdauung noch ein Schnäpschen zu sich nimmt, tut dies ganz in der Tradition vorheriger Generationen. Auch viele Gäste im Rüdenstein verlangen danach, erklärt Petra Meis augenzwinkernd.

Die Gaststätte Rüdenstein

Die Gaststätte Rüdenstein

Bereits am 18. Mai 1929 eröffneten der Schleifer Hugo Meis und seine Frau Klara in ihrem bergischen Fachwerkhaus direkt am Ufer der Wupper die „Gaststätte Rüdenstein“, das Stammhaus des heutigen Restaurants. Nach und nach bauten danach vier Wirtsgenerationen, zuletzt Petra Meis zusammen mit ihrer Tochter Katrin und deren Mann Ulf (Foto li.), weitere Räume an und um.

Gaststätte Rüdenstein Solingen
Heute bietet das weitläufge Restaurant viel Platz und Kindern tolle Möglichkeiten, draußen zu toben. Feste können sowohl im Saal, der bis zu 100 Personen fasst, abgehalten werden, als auch z.B. im Stübchen (45 Pers.) oder auf der Gartenterrasse (160 Personen).

Öffnungszeiten: Mi. – Sa. ab 11:30 Uhr, an
Sonn- und Feiertagen ab 10.00. Küche
durchgehend von 12.00 bis 20.30 Uhr.
Telefon: 0212 – 812314,
www.ruedenstein.de
Obenrüden 72, 42657 Solingen,
info@ruedenstein.de

Gaststätte Rüdenstein Solingen

Restaurants

Über 200 Restaurants, Bistros und Cafés laden
in Solingen zum Schlemmen ein. Unser Tipp
heute für zwei Lokalitäten am Ufer der Wupper:
Haus Rüden Solingen

HAUS RÜDEN

Seit über 25 Jahren bekocht Andreas Kempen seine Gäste in dem kleinen Fachwerkrestaurant in der Hofschaft Rüden. Rund 35 Personen finden dort Platz; im „Sälchen“ noch einmal 26 und während der Freiluftsaison über einhundert im Restaurantgarten. Neben kleinen Gerichten wie „Spinat-Mangold-Maultaschen“ finden sich auf der Speisekarte Kuchen, Waffeln, Deftiges wie Bauernsülze und Reibekuchen sowie Pfannengerichte, Salate, Burger und die allseits beliebten Pfannkuchen in allen Variationen. An Aktionen gibt es „Kulinarische Herbstabende“, eine „Mittelalterliche Tafelrunde“ für Gruppen und selbstverständlich auch die „Bergische Kaffeetafel“.

Mythos im Wupperhof Solingen

„MYTHOS“ IM WUPPERHOF

Erst seit Mai hat das traditionsreiche Restaurant wiedereröffnet. Zum Glück! Nun offeriert das junge Team von Stergio Bekiaris und Catlin Gaita seinen Gästen griechische und mediterrane Küche und alle sind froh, dass der gemütliche Biergarten (Platz für rund 120 Pers.) direkt an der Wupper und das denkmalgeschützte Fachwerkhaus (bis zu 70 Plätze) wieder zum Verweilen einladen. Neben griechischen Vorspeisen und Spezialitäten gibt es auch „Pasta + Forno“-Gerichte sowie Salate und Grill-Platten. Zu den offiziellen „7 Säulen“ des Restaurants gehört neben etwa Olivenöl, Kräutern und Knoblauch auch ein Schuss „Lebensfreude“ – eine Ingredienz, die in keinem Lokal der Welt fehlen sollte …!

Ö F F N U N G S Z E I T E N
UND WEITERE INFOS:

Untenrüden 39, 42657 Solingen
Telefon: 0212 – 81 86 58
www.hausrueden.de
info@hausrueden.de
Ö F F N U N G S Z E I T E N
UND WEITERE INFOS:

Wupperhof 8, 42799 Leichlingen
Telefon: 0212 – 401 907 75
www.mythos-im-wupperhof.de
info@mythos-im-wupperhof.de

Fotos: Leon Sinowenka
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